Grundlagen im Finanzwissen sollten schon in der Schule gelehrt werden

… denn: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.

Eurokrise, Niedrigzinspolitik, Kaufkraftverlust, Versorgungslücken und Notwendigkeit privater Altersvorsorge – dies sind nur einige Schlagworte aus der Finanzwelt, die einem regelmäßig in den Medien begegnen.
Wer diese Begriffe einordnen will, sollte zumindest über ein grundlegendes Finanzwissen verfügen. Dazu gilt es in einem ersten Schritt, Berührungsängste zu Finanzthemen abzubauen.

Die Deutschen sind „finanzielle Analphabeten“ –  so die Kernaussage zahlreicher Untersuchungen.

Die meisten Bürger verfügen nur über sehr geringe und unzureichende Kenntnisse bezüglich Versicherungen und Kapitalanlagen. Das Problem, welches hierbei entsteht: Die Menschen setzen sich dadurch zahlreichen Risiken aus! Von der unzureichenden Absicherung von Lebensrisiken, der mangelnden Altersvorsorge (Geburtenrückgang seit 1964!), Überversicherung in vielen Bereichen bis zur Überschuldung durch den unbedachten Umgang mit Krediten.
Leider ist „finanzielles Analphabetentum“ bis heute tief in Individuum und unserer Gesellschaft verwurzelt. Entsprechende Bildungsbemühungen im allgemeinbildenden Schulwesen beinhalten ein „Bohren dicker Bretter“, wenn ein kompetentes Verhalten in Finanzfragen angebahnt werden soll.
Fakt ist auch, dass wirtschaftliche Grundkenntnisse und Zusammenhänge von wesentlicher Bedeutung für das Verständnis finanzieller Fragen sind (vgl. Mehr Wirtschaft in die Schule, Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Kaminski, Institut für Ökonomische Bildung).

Weitere Studien belegen psychologische Hemmschwellen wenn es um die Beschäftigung mit Versicherungen und Geldanlagen geht:

  • Das Thema Geld wird tabuisiert. Menschen empfinden es oftmals als unangenehm, offen über Geld zu reden. Bei vielen löst es Schamgefühle aus, wenn zu wenig Geld vorhanden ist; das Reden über viel eigenes Geld führt bei anderen oft zu Neidgefühlen.
  • Die Komplexität verursacht Angst und Unsicherheit. Die Deutschen empfinden das Thema Geld als äußerst komplex. Sie haben Schwierigkeiten, sich in der Produktvielfalt und der Begriffswelt der Finanzdienstleistungen zurechtzufinden. Informationsvielfalt und wahrgenommene Komplexität lösen bei vielen Angst und Unsicherheit aus. Dies führt nicht selten zur Vermeidung und Verdrängung von finanziellen Entscheidungen.
  • Die Abstraktion des Themas schreckt ab. Geldthemen werden in der Regel als sehr abstrakt empfunden. Viele Vorgänge wie die Zinsentwicklung sind nicht unmittelbar greifbar. Zudem tragen die oftmals langen Zeiträume, die zwischen dem Abschluss einer Geldanlage und ihrem möglichen Ertrag liegen, zur Abstraktion bei. Bei der Altersvorsorge müssen beispielsweise heute Entscheidungen getroffen werden, die sich erst nach Jahrzehnten auszahlen.
  • Das Vertrauen auf andere macht unmündig. Besonders junge Menschen und in der älteren Generation Hausfrauen sehen oftmals keine Notwendigkeit, ihre Finanzen selbst in die Hand zu nehmen. Diese Form von Unmündigkeit wird selbst kaum wahrgenommen, da man sich von den Eltern, vom Staat oder vom Ehepartner gut versorgt fühlt.
  • Beschäftigung mit Geld lohnt sich nicht. Schließlich kümmern sich Menschen zu wenig um Gelddinge, weil der vermeintliche Aufwand, der zu erbringen ist, und der Ertrag in einem ungünstigen Verhältnis gesehen werden. Es wird angenommen, dass die Beschäftigung mit Finanzfragen weder genügend materielle Belohnung noch ausreichend soziale Anerkennung einbringen.
  • Finanzwissen hat einen schlechten Ruf. Geld hat nicht selten ein negatives Image, das heißt, Personen, die sich intensiv mit Geldthemen beschäftigen, gelten nicht selten als oberflächlich oder moralisch fragwürdig. „Finanzielle Cleverness“ wird oftmals als Übervorteilung anderer gewertet, sogenannte Finanzfüchse gelten in der Regel nicht als vertrauenswürdige Menschen. Die wollen doch eh nur ihre Finanzprodukte verkaufen.

Zwar haben nicht alle Menschen gleichermaßen Berührungsängste mit dem Thema Geld, jedoch sind obige Einstellungen – unabhängig von der der Schulbildung – weit verbreitet und tief gefestigt.

Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun. (Molière)